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Pillars of Eternity 2: Deadfire Test

Pillars of Eternity 2: Deadfire Test
Pillars of Eternity 2: Deadfire

Pillars of Eternity plünderte das Beste des Genres, machte sich aber auch einen Namen mit einer Kulisse, die so gut verwirklicht und voller Überlieferungen war, dass es den Anschein hatte, als hätte sie auf einer vergessenen Serie großartiger Fantasy-Romane basieren können. Und jetzt führt uns Obsidian in eine andere Ecke dieser fantastischen Welt: den gefährlichen und exotischen Deadfire-Archipel, eine Inselkette weit östlich des relativ grünen und angenehmen Dyrwood (Spielwelt vom ersten Pillars of Eternity).

In unserem Pillars of Eternity 2: Deadfire Test wollen wir klären wie gut der zweite Teil tatsächlich ist.

Die Stärken von Pillars of Eternity 2: Deadfire

  • Eine faszinierende, geschichtsträchtige Kulisse auf hoher See
  • Die Hauptquest ist grandios, mit einer Reihe atemberaubender Momente
  • Taktische Kämpfe
  • Ein komplexes Fraktionssystem
  • Einige lustige Charaktere

Die Schwächen von Pillars of Eternity 2: Deadfire

  • Für Neulinge im Genre nicht gerade zugänglich
  • Das Segeln auf der See kann nur bedingt überzeugen

Die Story

Pillars of Eternity 2: Deadfire Test - Die Story
Pillars of Etenity 2: Deadfire bietet eine Story, die mutig genug ist, Themen wie Kolonialismus und Unterdrückung anzupacken

Ihr übernehmt die Kontrolle von einem Held, der entweder, je nach Ansicht, verflucht oder gesegnet ist mit der Fähigkeit, in die Seelen der Toten zu spähen und mit ihnen zu kommunizieren. Nach den Ereignissen des ersten Spiels habt ihr beschlossen, euer Schwert und Schild an den Nagel zu hängen und sich in der Festung von Caed Nua niederzulassen. Doch dann erhebt sich Eothas, ein Gott, der zuvor für tot gehalten wurde, zerschmettert euren Fort in Splitter und stiehlt ein Stück eurer Seele. Euer Charakter ist über diese Wendung nicht gerade begeistert. Und so befindet ihr euch ganz schnell in Deadfire-Archipel, auch bekannt als der Teil der Welt, in dem alle Piraten leben.

Wenn ihr das erste Pillars of Eternity nicht gespielt habt, ist das völlig in Ordnung. Pillars of Eternity 2: Deadfire fasst nicht nur die Ereignisse des Originalspiels im Intro übersichtlich und prägnant zusammen, sondern bietet euch auch die Möglichkeit, einen Verlauf für euren Charakter zu erstellen, der im Wesentlichen einen importierten Speicherstand simuliert. Ihr könnt schnell entscheiden, ob euer Charakter wohlwollend, tyrannisch oder etwas dazwischen war. Es gibt sogar eine Geschichte, die davon ausgeht, dass ihr jeden eurer Gefährten getötet habt.

Die Geschichte von Pillars of Eternity 2: Deadfire wird wunderbar erzählt und ist wunderschön geschrieben, und die reife, geerdete Welt ist eine perfekte Kulisse. Es ist kein Land, in dem der Held das Schicksal hat, das Böse zu besiegen, sondern ein Land, in dem die Bösewichte verständliche Motivationen haben.

Das Gameplay

Pillars of Eternity 2: Deadfire Test - Das Gameplay
Modernes CRPG-Gameplay kennzeichnen Pillars of Eternity 2: Deadfire

Wenn ihr zuvor ein CRPG gespielt habt, werden euch die Grundlagen sofort bekannt vorkommen. Ihr bewegt euch, indem ihr auf eine Stelle auf der isometrischen Karte klickt. Auf die gleiche Weise könnt ihr mit Leuten sprechen, gegen Monster kämpfen und Dungeons plündern. Es gibt Städte, Tempel und Dschungel, die alle mit langen, verdrehten Quests, interessanten Charakteren und harten moralischen Problemen gefüllt sind. Nach erfolgreichen Voranschreiten, werdet ihr aufsteigen, neue Fähigkeiten und Zauber freischalten, neue Gruppenmitglieder rekrutieren und magische Gegenstände mit eindrucksvollen Beschreibungen finden. Es ist ein Traum für jeden, der die alten Infinity Engine-RPGs wie Baldur's Gate liebt.

Aber was diese Fortsetzung von anderen klassischen RPGs unterscheidet, ist der Fokus auf die Seefahrt. Das Reisen zwischen Inseln im Deadfire, das unglaublich groß ist, erfordert ein Schiff. Und um ein Schiff zu führen, benötigen ihr eine Crew. Hier kommt der nautische Managementaspekt des Games ins Spiel. Wenn ihr um die Weltkarte segelt, wird eure Crew, die in Tavernen angeheuert oder während eines Abenteuers getroffen werden kann, den Proviant und die Wasservorräte aufbrauchen. Und die Qualität dessen, was ihr ihnen zur Verfügung stellt, wirkt sich auf ihre Moral und Leistung im Kampf aus. Gebet ihr ihnen Wasser und Hardtack, einen elenden, lang anhaltenden Keks, der im Zeitalter des Segels berüchtigt war, habt ihr schnell eine Meuterei an der Backe. Versorgt ihr aber eure Crew mit Rum und frischem Obst (was natürlich viel teurer ist), werden euch die Mitglieder lieben.

Und es gibt noch andere Probleme, mit denen man sich befassen muss, einschließlich Verletzungen, Piraten und Dramen, wie zum Beispiel Kämpfe und Auseinandersetzungen unter der Besatzung. Dies fügt dem Reisen zwischen Orten eine nette Ebene der Interaktion und des Rollenspiels hinzu. Das Problem ist, dass das eigentliche Segeln nicht sehr überzeugend ist. Ihr bewegt euch einfach durch klicken auf der enttäuschend statischen Weltkarte, und das hat bei uns nie wirklich eine Illusion erzeugt, dass wir an der Spitze eines Schiffes stehen, das gegen die Wellen kämpft. Die Galeere auf Trab und die Crew bei Laune zu halten, wird bald zur Routine und lässt die nautischen Teile des Spiels ein wenig unkonventionell erscheinen.

Die Schiffskämpfe sind dagegen erfolgreicher umgesetzt worden. Diese sind rundenbasiert und finden auf einem separaten Bildschirm mit einer speziellen Oberfläche statt. Ein Kreis zeigt euch, in welche Richtung euer Schiff zum Feind zeigt, und ihr befehligt eure Besatzung, indem ihr Aktionen aus einem Menü auswählt. Ihr könnt euer Schiff in einer Runde neu positionieren, beschleunigen, um näher an den Feind heranzukommen, langsamer werden, um Distanz zu schaffen, oder eure Waffen abfeuern. Eure Kanonen sind nur in bestimmten Bereichen wirksam, weshalb die Positionierung von entscheidender Bedeutung ist. Eine Abbildung, die das feindliche Schiff, seine Entfernung und seine aktuelle Schadensstufe zeigt, ist auf einen Blick zu sehen. Eure Besatzung kann während des Schiffskampfes verletzt werden, und der Verlust einer wichtigen Person wie eines Steuermanns oder eines Chirurgen durch Kanonenfeuer kann eure Effektivität im Kampf einschränken.

Wenn das Schießen mit Kanonenkugeln aus der Ferne nicht euer Ding ist, könnt ihr den Feind immer mit voller Geschwindigkeit entern und an Bord seines Schiffes gehen. Hier wechselt das Spiel zur bekannten isometrischen Ansicht und ihr bekämpft die Crew im regulären Kampfsystem. Wenn ihr ein Schiff erfolgreich geentert habt, erhält eure Crew einen großen Moralschub und ihr könnt Vorräte aus den Trümmern retten.

Die Defiant (so heißt euer erstes Schiff) kann stark angepasst werden. Schnellere Segel, ein robusterer Rumpf und leistungsstärkere Kanonen gehören zu den Upgrades, die ihr kaufen könnt. Oder ihr könnt auch ein ganz neues Schiff kaufen, wenn ihr die ein paar tausend Kupfer übrig habt. Aber ein größeres Schiff bedeutet mehr Besatzung, mehr Essen, mehr Alkohol und mehr Löhne.

Dockt ihr die Defiant an einer der vielen Inseln an. Schlüpft das Spiel wieder in seine bequemen alten Rollenspielstiefel und diese Spielmechanik gehört zu Obsidians bester Arbeit als RPG-Entwickler. Dyrwood (aus Pillars of Eternity) war eine wunderbar gezeichnete Kulisse voller Kultur und Geschichte, aber das Deadfire-Archipel ist noch faszinierender und fremder. Es gibt da draußen eine ganze Welt zu entdecken: seltsame Riten und Rituale, Schamanen und alte Seedrachen. Und wir liebten es, alles durch lange Gespräche, Bücher und Inschriften in uns aufzusaugen, um so viel wie möglich über die Geschichte dieser absurd reichen Umgebung zu erfahren. Obwohl zugegebenermaßen die enormen Mengen an Überlieferungen, die ständig auf euch geschleudert werden, manchmal etwas überwältigend sein können.

Während euer Hauptziel die Jagd auf Eothas ist, hat Pillars of Eternity 2: Deadfire keine Angst, euch freizulassen um euren eigenen Weg durch den Archipel zu bahnen. Wenn der Prolog vorbei ist, könnt ihr so ziemlich überall hinsegeln, und es gibt viel zu entdecken, einschließlich einer scheinbar endlosen Parade von Quests. Dutzende Stunden später war unser Questprotokoll voller Aufgaben. Die Vielfalt ist beeindruckend und es mangelt euch nie an großartigen und interessanten Dingen.

Mit dem Durchstreifen der Spielwelt kommt es auch unweigerlich zum Kampf. Pillars of Enernity 2: Deadfire verwendet ein klassisches Echtzeit-Kampfsystem mit Pause, und wie engagiert ihr seid, liegt bei euch. Ihr könnt die Gruppen-KI einschalten und den Computer entscheiden lassen, welche Zaubersprüche und Fähigkeiten eure Gruppenmitglieder verwenden. Oder ihr können sie einzeln steuern und alles, was sie tun, detailliert befehlen. Bei schwierigeren Schwierigkeitsgraden ist die letztere Taktik unerlässlich. Dies ist ein komplexes Spiel, und ihr müsst die zahlreichen Fähigkeiten, Fertigkeiten, Zaubersprüche und Angriffe eurer Gruppe nutzen, um Begegnungen mit mächtigen Feinden zu überleben.

Die Charaktererstellung bietet die gleichen Rassen und Klassen wie im Vorgänger. Jede Klasse hat jetzt jedoch mehrere unterschiedliche Unterklassen, und es ist möglich, zwei Unterklassen aus verschiedenen Primärklassen zu kombinieren. Multi-Classing ist eine großartige neue Funktion, obwohl es Vor- und Nachteile hat. Die beiden Klassen werden zu einer neuen Klasse zusammengeführt, was bedeutet, dass Charaktere mit mehreren Klassen im Gegensatz zu den alten RPGs, bei denen Erfahrungspunkte zwischen den Klassen aufgeteilt wurden, mit der gleichen Geschwindigkeit aufsteigen. Der Zugriff auf die Fähigkeiten beider Klassen bietet mehr taktische Vielseitigkeit, aber es gibt einen Haken: Es werden keine zusätzlichen Fertigkeitspunkte bereitgestellt und auf die Fähigkeiten der höchsten Stufe kann nicht zugegriffen werden. Wie erwartet sind einige Kombinationen praktikabler als andere. Diese Charaktere erben die Stärken und Schwächen beider Klassen. Daher ist es für die Spieler wichtig, die Funktionsweise der einzelnen Werte vollständig zu verstehen und alle Fähigkeiten zu studieren, um einen tragfähigen Build zu erstellen. Das Stat-System ist gut konzipiert, obwohl es wichtig ist, die Stärken einer Klasse auszunutzen, anstatt zu versuchen, ihre Schwächen auszugleichen. Zum Beispiel wird ein Magier mit hoher Konstitution und Entschlossenheit immer noch eine geringe Gesundheit haben. Stattdessen sollten sich die Spieler auf Macht, Geschicklichkeit und Wahrnehmung konzentrieren, da dies dem Magier ermöglicht, mehr Zauber zu wirken, die mehr Schaden verursachen und eine höhere Chance haben, tatsächlich zu treffen.

Der Umfang

Pillars of Eternity 2: Deadfire Test - Der Umfang
Pillars of Eternity 2: Deadfire hat einiges zubieten

Pillars of Eternity 2: Deadfire hat viel zu bieten: eine riesige tropische Kulisse, eine Geschichte, die mutig genug ist, Themen wie Kolonialismus und Unterdrückung anzupacken, Partymitglieder, die erfrischend geerdet und menschlich wirken, eine Fundgrube an Quests für Möchtegernpiraten, die geplündert werden müssen, und eine Schar von Fraktionen, mit denen ihr zusammenarbeiten könnt. Und dann gibt es noch die spannenden und packenden Piratenschiffskämpfe.

Deadfire besteht nicht nur aus abgelegenen Dörfern und Außenposten. Neketaka, seine größte Stadt, ist das Äquivalent von Athkatla aus Baldur's Gate 2 oder Sigil aus Torment: eine massive, abwechslungsreiche Zersiedelung, die in einzigartige Stadtteile aufgeteilt ist und voller Quests, Gespräche und Ablenkungen steckt. Es ist auch das schönste Einblick in Obsidians wunderschöne, verschwenderische Hintergrundkunst mit einer komplizierten Architektur, die die Kultur und Bräuche der Region widerspiegelt

Spielzeit

Die vollständige Hauptquest und die meisten Nebenquests wurden von uns in ca. 80 Stunden abgeschlossen. Je nach Spielart und Vorgehensweise kann die Spielzeit natürlich variieren.

Die Grafik

Pillars of Eternity 2: Deadfire ist ein viel hübscheres Spiel als sein Vorgänger, mit stark verbesserten 3D-Charaktermodellen und Echtzeitbeleuchtung, die die Umgebung viel dynamischer und lebendiger erscheinen lässt. Es hat immer noch die unverwechselbare Infinity Engine-Ästhetik, aber alles fühlt sich einfach solider, lebendiger, realistischer und raffinierter an.

Fazit

Pillars of Eternity 2: Deadfire Test - Fazit
Pillars of Eternity 2: Deadfire hat einiges zu bieten und überzeugt auf ganzer Linie

Pillars of Eternity 2: Deadfire ist ein weiteres feines Rollenspiel von Obsidian, dass das Talent des Studios für starken Aufbau von Welten, intelligentes, ausdrucksstarkes Schreiben von Story und abwechslungsreiches Questdesign auf brillante Weise demonstriert. Es ist ein großes, tiefes, wortreiches CRPG in der klassischen Form, aber mit genug neuen Ideen. Wenn ihr ein Fantasy-Rollenspiel sucht, das Seiten mit brillanten Dialogen enthält und eine riesige, offene Welt zum Erkunden bietet, liefert Pillars of Eternity 2: Deadfire all das und noch viel mehr.

Ein massives, reichhaltiges Rollenspiel mit einer gut realisierten Umgebung und einem tiefen taktischen Kampf.

Unsere Wertung:

Pillars of Eternity 2: Deadfire Test - Wertung 93%

Eure Meinung zu Pillars of Eternity 2: Deadfire

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